Eine Studie des japanischen Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales zeigt, dass 2010 von 55 Millionen Beschäftigten nur 10 Millionen einer Gewerkschaft angehörten. Die 10 Millionen Mitglieder verteilen sich hierbei auf 26.000 Betriebsgewerkschaften, welche direkt im Unternehmen verankert sind. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass jedes Unternehmen seine eigene Gewerkschaft hat. In großen Unternehmen kann es auch mehrere Gewerkschaften geben, die für die Interessen und Rechte der Stammbelegschaft kämpfen oder andere Arbeitnehmergruppen innerhalb des Betriebs vertreten. Aufgrund der Vielzahl und des komplexen Aufbaus der Gewerkschaften ist eine zentrale Steuerung derjenigen für ihre Handlungsfähigkeit essentiell. Hierbei spielen die sogenannten Dachgewerkschaften bzw. Gewerkschaftsverbände eine große Rolle. Diese Dachgewerkschaften haben bei Tarifverhandlungen zwar keinen Einfluss – das kann nur auf der Ebene der Betriebsgewerkschaften stattfinden – sie können jedoch in ihrer gewerkschaftsübergreifenden Rolle die einzelnen Betriebsgewerkschaften unterstützen. Die Betriebsgewerkschaften in Japan verteilen sich auf drei Dachverbände: die Rengō, die Zenroren und die Zenrokyo.

Rengō – Konföderation der japanischen Gewerkschaften

Der größte Gewerkschaftsverband Japans ist Rengō, dessen Zweck auf die Funktion als Dachverband beschränkt ist. Heute vertritt Rengō die Interessen von 6,8 Millionen Mitgliedern und 47 Regionen in Japan. Der Entstehungsprozess von Rengō dauerte 13 Jahre. Die ersten Versammlungen fanden im Jahr 1976 mit 3 Millionen Mitgliedern und 16 Betriebsgewerkschaften statt. Im Jahr 1989 wurde Rengō das erste Mal mit 8 Millionen Mitgliedern und 78 Betriebsgewerkschaften amtlich zugelassen. Der Verband hat bereits große Aktionen organisiert, so zum Beispiel die Aktion „Let’s Go to the Diet to Realize Political Reform“, im Rahmen welcher das Diet-Gebäude von einer Menschenkette umzingelt wurde, um Reformen in der Arbeitswelt anzustoßen. Auch mit jährlich stattfindenden Aktionen, wie der „Woman´s Day Rally“ im März oder der „Peace Rally“ im September, erweckt der Verband regelmäßig große Aufmerksamkeit.

Zenroren – Verband der japanischen Gewerkschaften

Die Zenroren gründeten ihren Verband zeitgleich mit Rengō, mit dem Ziel, eine Alternative zu Rengō darzustellen. Die im November 1989 gegründete Organisation hat 1,2 Millionen Mitglieder und fasst 21 Betriebsgewerkschaften. Der Verband ist nicht an eine Partei gebunden, hat aber gute Beziehungen zu der Kommunistischen Partei Japans. Die Mitglieder werden als eher wenig konservativ bezeichnet. Die Zenroren hat sich den Ruf als der kampfstärkste unter den drei Dachverbänden erarbeitet. Sie vertritt die Interessen von Arbeitnehmern aus fast jeder Branche.

Zenrokyo – Verbindungsrat der japanischen Gewerkschaften

Der Verband wurde von Beratern der sozialistischen Partei Sōhyō gegründet. Als Teil von Sōhyō hatte die Organisation nicht nur gewerkschaftliche Interessen, sondern fungierte auch als oppositionelle Kraft im politischen Bereich. Zenrokyo nimmt seit der Gründung eine beratende Position ein und bleibt im Bereich der Regulierung gerne im Hintergrund. Die Organisation wurde ebenfalls im Jahr 1989 gegründet. Sie ist wesentlich kleiner als Rengō und Zenroren und hat aktuell 120.000 Mitglieder. Zenrokyo ist verglichen mit den anderen zwei Verbänden hinsichtlich ihrer Handlungsweise wesentlich offensiver.

Die drei Dachverbände dienen als Kommunikationsinstrument zwischen Staat, Unternehmen, Gewerkschaften und Arbeitnehmern und versuchen, die Interessen aller zu vertreten. Ein Vergleich japanischer mit deutschen Gewerkschaften ist nicht möglich, da der Aufbau der japanischen Gewerkschaften äußerst komplex ist. Um zu verstehen, wie diese drei Dachverbände entstanden sind, ist es nötig, die geschichtlichen Ereignisse miteinzubeziehen. Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr über die Entstehung der Gewerkschaften in Japan und finden Sie heraus, wie sich die gewerkschaftlichen Strukturen bis heute entwickelt haben.