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Nachdem wir nun die Relevanz der Case Studies erörtert haben, kommen wir nun zu ihrem Inhalt. Die Daten, die für die Case Studies gesammelt wurden zeigen jeweils eine klare Zunahme der Unterschiede zwischen Gehaltssteigerungen bei der Mutter- und bei der Tochtergesellschaft. Obwohl die Konzern-Roren den Arbeitskampf koordinieren, scheint es für die Gewerkschaften auf Ebene der Tochtergesellschaften zunehmend schwierig zu werden ähnliche Gehaltssteigerungen wie die Gewerkschaften bei der Konzernmutter zu erlangen. Noch bemerkenswerter ist der Unterschied bei Bonus-Zahlungen, wo die verschiedenen Bonusvereinbarungen früher anfangen auseinanderzuklaffen und insgesamt eine größere Differenz erreichen. Das lässt sich dadurch erklären, dass Bonus Zahlungen im Allgemeinen als Erstes sinken, wenn sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert.
Wir haben also gesehen, dass internes Outsourcing in japanischen Konzernen dazu führt, dass Gewerkschaften schwächer werden. Da Gewerkschaften also weniger Ressourcen und/oder Macht zur Verfügung haben, ist es für sie umso wichtiger, sich auf ihre "Stammkunden" zu konzentrieren; so kam es, dass japanische Gewerkschaften einen wichtigen Trend 'verschlafen' haben und keine oder nur sehr wenige 'irregulären' Arbeiter rekrutiert haben.
Das wollen wir erläutern. In Japan wurden seit den 50ern traditionell folgende Vorteile in Arbeitsverhältnissen vom Arbeitsgeber an den Arbeitnehmer geleistet: 1. Lebenslange Anstellung bei einem Arbeitgeber, 2. Zunehmendes Gehalt bei zunehmendem Alter und 3. die Unternehmens-spezifischen Gewerkschaften. Doch als das Wirtschaftswachstum in den 70ern abkühlte und es wenig später zur Stagnation kam, wurde es schwieriger für die Unternehmen und die Arbeitnehmer. Die Manager jedoch waren findig; Sie erfanden die "irreguläre Belegschaft". Diese ist besonders im seit den 70ern wachsenden Dienstleistungssektor weit verbreitet; große Produktionsunternehmen nutzen irreguläre Arbeiter jedoch auch, dann meist in Tochter- und Zulieferergesellschaften. Doch was ist das besondere an den 'Irregulären'?
Sie entbehren alle drei Vorteile (s.o., erstens, zweitens und drittens), die traditionelle japanische Arbeitnehmer hatten. Es handelt sich um Zeitarbeiter und Halbtags-Arbeiter, um Frauen und besonders junge Arbeitnehmer. Die Zahl solcher atypischen Arbeitsverhältnisse (Arbeitsverhältnisse irregulärer Arbeiter) sind seit dem Ende der 80er um ca. 150% gestiegen. In der gleichen Zeit ist die Zahl der regulären Arbeitsverhältnisse nicht mal um 15% gestiegen (vgl. Keizer 2005).
Die Unternehmen waren also findig; die Gewerkschaften weniger. Sie haben den Trend der Zunahme irregulärer oder atypischer Arbeitsverhältnisse ignoriert oder wenigstens versäumt ihm mit neuen Strategien zu begegnen. Man muss zugeben, dass durch zuvor erwähntes 'internes Outsourcen' ihnen auch manches erschwert wurde. Dennoch haben sich die Gewerkschaften nie groß um die 'Irregulären' gekümmert. Das hat verschiedene Gründe. Zum Beispiel sind wie erwähnt viele Frauen unter den neuen Irregulären, z.B. weil Frauen bevorzugen halbtags statt ganztags zu arbeiten. Nun ist die Gewerkschaftsmitgliedschaft traditionell aber meist auf Männer beschränkt, man könnte fast sagen Gewerkschaften sind in Japan eine 'Männerdomäne'. Genauso sind Gewerkschaften im Produktionsbereich häufiger als im Dienstleistungssektor. Das alles hat zu den Entwicklungen beigetragen. Die Gewerkschaften jedoch haben sich nicht um neue 'Kunden' bemüht; sie sahen ihre Aufgabe in der Repräsentation der regulären Arbeiter. So erreichen die Gewerkschaften für ihr kleiner werdendes Potenzial an regulären Arbeitern noch immer moderate Tariferhöhungen; die Irregulären gehen häufig leer aus.
Somit sind japanische Gewerkschaften zum überwiegenden Teil Klientelgewerkschaften, und zwar für die regulären Arbeitnehmer. Sie haben akzeptiert, dass Unternehmen beim (irregulären) Personal Kosten kürzen, solange es für sie selbst Vorteile gibt. Noch heute sind die Gewerkschaften kaum in der Lage eine adäquate Antwort auf die Veränderungen in der Wirtschaft zu geben (vgl. Kuwarhara 2004). Da hilft es auch nicht, dass inzwischen 4,8% der japanischen irregulären Arbeiter in Gewerkschaften organisiert sind. Die großen japanischen Gewerkschaften und erst recht die nationale Vereinigung, Rengo, sieht die Sache natürlich ganz anders: Für sie existieren die drei Vorteile regulärer Arbeitsverhältnisse noch immer. Dass das nur für eine 'Klasse' im Arbeitnehmersystem gilt, wird ignoriert.
Wir haben also die veränderte Arbeitsmarktsituation und die systematischen Probleme, die in Zeiten ökonomischen Wachstums gar keine Probleme sind, sich aber in der Rezension zu solchen entwickeln. Diese zwei Faktoren sind es, die die japanischen Gewerkschaften geschwächt und schließlich in die Krise geführt haben, die sie selbst nicht sehen wollen.
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